Das Brennstoffgebäude ist mit mehreren Lüftungs- und Luftfiltersystemen ausgestattet. Eines dieser Systeme ermöglicht ein Containment bei Unfallsituationen (Jodfilterung). 

In der Nacht vom 29. auf den 30. Mai 2026 begannen die Teams im Rahmen der Abschaltung für geplante Wartungsarbeiten der Produktionseinheit Nr. 2 mit der Brennstoffhandhabung und anschließend mit Arbeiten an den elektrischen Schalttafeln. Diese Elektroarbeiten erfordern Ausgleichsmaßnahmen, u. a. eine genaue Konfiguration des Lüftungssystems (Abschaltung der normalen Lüftung, Inbetriebnahme des Jodfiltersystems) und die Aussetzung der Brennstoffhandhabung binnen einer Stunde, wenn diese Maßnahmen nicht eingehalten werden können.

Gegen 7.30 Uhr stellten die im Kontrollraum anwesenden Teams fest, dass bei den Arbeiten die erforderlichen Ausgleichsmaßnahmen nicht eingehalten wurden: Daraufhin setzten sie die Brennstoffhandhabung solange aus, bis beim Luftfiltersystem des Brennstoffgebäudes wieder die für die parallele Durchführung dieser beiden Arbeiten erwartete Konfiguration hergestellt werden konnte.

Dieses Ereignis hatte keine tatsächlichen Auswirkungen auf die Sicherheit der Anlagen. Im Falle einer Unfallsituation wäre das Jodfiltersystem verfügbar gewesen und hätte in Betrieb genommen werden können. Im Übrigen hätten es die Systeme zur Überwachung der Tätigkeit im Brennstoffgebäude ermöglicht, Anomalien zu erkennen.

Diese Nichteinhaltung einer Betriebsvorschrift veranlasste das Kraftwerk Cattenom, der Behörde für nukleare Sicherheit und Strahlenschutz (ASNR) am 3. Juni 2026 ein Ereignis ohne oder mit geringer sicherheitsrelevanter Bedeutung – Stufe 0 nach der (7 Stufen umfassenden) INES-Bewertungsskala – zu melden. Nach einer genaueren Analyse beschloss die Direktion des Kraftwerks am 18. Juni 2026, dieses Ereignis, nachdem es im Juni 2025 bereits zu einem ähnlichen Vorfall gekommen war, aufgrund des wiederholten Auftretens als Ereignis der Stufe 1 zu qualifizieren.